5. Wahrhaftigkeit – die eigene Wahrheit leben

Das ist gerade mein Thema, wahrscheinlich weil ich einen Menschen getroffen habe, der es – wie ich meine – nicht tut und mich schmerzt das für ihn sehr. Aber wann lebe ich „meine Wahrheit“? Das Antonym dazu wäre „Lügen“. Das klingt sehr hart, sehr anschuldigend und auch wie die Anklage gegen eine bewusste Handlung. Dabei ist es das doch sicher nicht in jedem Fall sondern vielleicht einfach nur das Unvermögen, nicht dicht genug an sich dran zu sein, nicht zu wissen, was man eigentlich will und braucht. Voraussetzung dafür, „an sich dran“ zu sein, ist, sich selbst zu kennen und zu lieben. Und das ist gar nicht so einfach.

Die meisten Menschen irren umher, suchen Halt in den Dingen um sie herum, einem bestimmten Status, anderen Menschen und Beziehungen, in Berufen und Rängen, werden Seminar-Junkies, treten Parteien bei, haben ihren Guru. Dabei liegt der sicherste Halt nur in uns selbst. Das sind vielleicht Plattitüden, aber deshalb nicht weniger wahr. Ich selbst – ist das die, die im Grunde ein guter Mensch ist, aber nicht zu jedem? Ist es die, die sich selbst mag, aber nur, wenn sie erfolgreich ist? Ist es die, die ehrlich und offen ist, aber nur, wenn sie etwas davon hat? Wie weit geht denn der positive Radius meiner Selbst? Wie selbstverständlich ist es für mich und meine Umwelt, Dinge zu verschweigen, obwohl es für mein Gegenüber wichtig wäre, sie zu erfahren?

„Verhalte Dich stets so, dass es niemandem schadet.“ Schließt dieser Satz ein, dass ich mich so verhalten sollte, dass es anderen guttut? Das geht schon einen Schritt weiter. Ein Verhalten, das anderen nicht schadet, muss ihnen noch lange nicht guttun. Und überhaupt, geht es hier um andere oder um mich? Jetzt darf es endlich mal um mich gehen!

Ich habe in meinem Leben erfahren dürfen, dass, je näher ich einen Menschen an mich heranlassen konnte, desto näher war ich selbst bei mir und in der Glückseligkeit. Meine Wahrheit kann ich am stärksten leben, wenn ich nichts mehr zurückhalte, alles sagen und tun kann, was danach drängt. Natürlich müssen die Dinge der Wahrheit entsprechen und keine manipulativen Geschichtchen sein.

In meinen früheren Seminaren wurde ich aufgrund meiner Klarheit manchmal als „gnadenlos“ empfunden. Ja, das mag sein. Aber wenn das Gesagte nicht dazu bestimmt ist, einen anderen Menschen zu diffamieren sondern ihn anzuschubsen und aufzuwecken, fand ich die Art meiner Konfrontation legitim. So richtig bequem ist das natürlich nicht, besonders nicht für diejenigen, die wahre Meister darin sind, alles „unter den Teppich zu kehren“.

Es gehört unweigerlich zu „meiner Wahrheit“ dazu, dass ich anderen in der Kommunikation ehrlich sagen kann, was mich bewegt und auch, was der andere Mensch in mir auslöst. Es gehört auch dazu, dass ich von anderen aufnehmen kann, was sie an mich richten, was sie zu mir sagen. Verletzt fühle ich mich allerdings, wenn ein bestimmtes Energiefeld gehalten wird, was nicht der Wirklichkeit entspricht. Mit Energiefeld meine ich den Raum, der mit Gedanken, Gefühlen, Gesagtem und Handlungen gefüllt wird und was am Ende doch nur dazu dient, eigene Vorstellungen zu verwirklichen.

Ich finde es einfach nicht richtig, auf anderer Kosten Gefühle – welche auch immer – zu erzeugen, die vorwiegend dem eigenen Fokus dienen. Würde sich dieser Mensch in „seiner Wahrheit“ befinden, brauchte er sich so nicht verhalten. Er würde die immanente „Lüge“ bemerken. Frauen sind in dieser Beziehung leider die größeren Meister als Männer. Von Frauen erfahre ich viel eher, wie sie sich selbst verleugnen und dann mit den Gefühlen anderer jonglieren. To be nice, lächeln, ein Dackelblick, die Stimme um ein paar Oktaven heben, den Kopf in Schieflage bringen, sind typische Verhaltensweisen von Frauen, die ihre weiblichen Geschütze ausfahren. Frauen, lasst Euch sagen, das hilft uns nicht weiter.

Es wäre besser, daran zu arbeiten, authentisch zu sein in dem, wie Du bist. Wo immer Du hin willst, was immer Du glaubst, erreichen zu müssen, Du bist dort, wo Du bist, genau richtig. Schau Dir an, was Du kannst und klopf Dir dafür selbst auf die Schultern. Lass andere besser sein, schöner, jünger, dicker oder dünner – Du bist perfekt. Glaube daran – alles andere macht Dich klein und schwach. Stell Dich vor diesen Menschen, der Dir sagt, dass Du es nicht schaffst und puste ihn um. Wenn Du erkannt hast, wie großartig und schön Du bist, brauchst Du nicht mehr zu lügen. Du darfst dann die sein, die Du in Wirklichkeit bist.

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